Sicherer Umgang mit dem Handy, PC und Daten

Vor einiger Zeit schnitten wir schon einmal das Thema „Facebook“ an und äußerten unsere Bedenken gegenüber der Bereitstellung von Daten insbesondere bei diesem sozialen Netzwerk. In dieser Ausgabe widmen wir uns ein wenig breit gefächerter dem generellen Umgang von Daten, Smartphone, PC und dem Internet.

Wie hinlänglich bekannt sein sollte, hinterlässt jeder Internetnutzer eine bestimmte zurück verfolgbare Spur in den Weiten des Internets. Wenn ihr euch zum Beispiel über euren PC, erst mal egal mit welchem Browser, im Internet bewegt, hinterlegen die besuchten Seiten so genannte Cookies. Internetseiten übergreifend werden ebenfalls zur Datenoptimierung Cookies eingesetzt. Dies ermöglicht Anbietern von personalisierter Werbung – Google oder Facebook – das jeweilige Nutzerverhalten, Präferenzen und mögliche Kaufabsichten detaillierter vorhersagen zu können.

Eure Interessen bei Facebook, Freundeslisten, geteilte Links oder Fotos geben auch sehr viele persönliche Daten preis. Daten die mitunter missbraucht werden können, um so viel es geht über euch herauszufinden und das nicht unbedingt dafür, um den nächstbesten Artikel bei Amazon anzuzeigen.

Zusätzlich erstellen Smartphones, Apps und auch Laptops immer öfter Ortungsdaten. Wenn ihr beispielsweise ein Foto aufnehmt und das ganze mit GPS gekoppelt ist – weil es ja so schön bei Facebook aussieht, wenn man automatisch verlinkt ist – und ihr eine öffentlich einsehbare Pinnwand bei Facebook habt, kann ein jeder auf diesem Planeten auch ohne besondere geheimdienstliche Hackerkenntnisse schnell ablesen, wo ihr euch so aufhaltet. Umso häufiger diese Daten öffentlich bereit gestellt werden, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass jeder sich von euch ein schönes detailliertes gläsernes Abbild schaffen kann. Aber auch ohne die Veröffentlichung von beispielsweise Fotos speichern Smartphones, wenn es nicht deaktiviert ist, eure häufig besuchten Orte, das Ganze ist dann sogar netterweise mit Häufigkeiten und Uhrzeiten versehen. Nicht auszumalen, was wäre, wenn solche Daten der Polizei in die Hände fallen, weil sie euer Handy beschlagnahmt haben und dann herausfinden, dass ihr euch zu einer bestimmten Uhrzeit an einem ganz bestimmten Datum an einem Ort aufgehalten habt, wo es sicherlich nicht so berauschend wäre, dass polizeiliche Behörden Wind davon bekommen, weil dort zum Beispiel streetarttechnisch gezaubert wurde.

Gleiches gilt auch bei der Kommunikation über den sehr beliebten Messenger „Whatsapp“. Mal abgesehen von dem technischen Umstand, dass alle eure Gespräche unverschlüsselt und gespeichert über die Server von Whatsapp laufen, ist es technisch derzeit nicht möglich eure Kommunikation auch auf dem Handy mittels Passwörter oder Verschlüsselung zu sichern. Das bedeutet, wenn man einmal am Handy ist, welches dann auch noch ohne Passwort gesichert ist, was übrigens auch geknackt werden kann, hat man all eure Gespräche und Bilder in den Händen. Selbst wenn dort nichts strafrechtlich Relevantes vorhanden sein sollte, ist es jedoch kein schöner Gedanke, dass irgendwer private Inhalte und Gespräche durchforsten kann. Solltet ihr auch regelmäßige Backups auf dem PC sichern und dieser mit eurem Handy in die Hände der Polizei gelangen, ist es ihnen möglich ohne Umstände auch das auf dem Handy gelöschte Whatsapp aus dem Backup wiederherzustellen.

Alle Dateien sind wiederherstellbar, macht euch das bewusst, das Löschen und Leeren des Papierkorbs auf dem PC stellen kein Hindernis dar – all diese Dateien können problemlos ohne größere Verluste wiederhergestellt werden!
Neben dem Konsumhintergrund liefern solche Daten aber auch die Möglichkeit euch auszuspähen und es ist hinlänglich bekannt, dass der amerikanische Geheimdienst NSA sich auch zu diesen Daten in Unmengen Zugriffe verschafft hat und noch immer verschafft. Nun gut, wegen ein paar bestellter Fackeln, Aufklebern oder Graffitis wird nicht gleich ein Geheimdienst vor der Tür stehen, doch auch polizeiliche Behörden verschaffen sich immer öfter den Zugang zu sensiblen Daten. Während die polizeiliche Arbeit nicht unbedingt auf das Hacken von Computern abzielt, wird jedoch bei Wohnungsdurchsuchungen alles mitgenommen, was euch nur ansatzweise durchschaubar macht: Zum Beispiel Festplatten, Computer, Smartphones und Handys.

Das Deprimierende an der ganzen Geschichte ist, dass das Mindestmaß an Sicherheit ohne größere PC- oder Programmiererkenntnisse hergestellt werden kann. Dazu müssen lediglich einige Punkte beachtet werden:
1. Nutzt ausgefallene Passwörter ohne erkennbare Verbindung zu euch – keine Geburtsdaten, Gründungsjahre, nicht zu kurze Passwörter, Kombinationen aus Zahlen, Groß- und Kleinbuchstaben mit Sonderzeichen!
2. Telefonate über den Handy Standard GSM können ohne Probleme abgehört werden, SMS mit brisanten Informationen vermeiden und wenn man unterwegs ist, wovon niemand Wind bekommen soll, Handy entweder zu Hause lassen oder zu Hause ausschalten!
3. Wenn ihr einen Browser nutzt – Firefox ist auf Grund seiner umfangreichen Sicherheitseinstellungen zu empfehlen – solltet ihr Cookies nur von Seiten speichern lassen, wo ihr es wirklich absehbar für euch gebrauchen könnt – andernfalls sollten beim Schließen des Browsers sämtliche Internetdaten wie auch der Verlauf gelöscht werden!
4. Ruhig anonymes Surfen nutzen. Proxydienste, Verschlüsselungsseiten oder das TOR-Netzwerk benutzen!
5. Solltet ihr ein Facebook Profil haben, gilt auch hier mit wenigen Klicks in den Sicherheitseinstellungen alles öffentlich Sichtbare auf die private Einstellung zu setzen. Freundeslisten, geteilte Inhalte, die Pinnwand, Interessen, Fotos und auch euer Klarname sollten maximal euren bereits bekannten Freunden sichtbar sein – Verlinkungen sollten nur mit eurer Erlaubnis möglich sein und macht euch intensive Gedanken darüber, was ihr liked, teilt oder unter irgendwelche Fotos schreibt!
6. Ortungsdienste auf dem Handy können unter den Einstellungen deaktiviert werden. Apps, bei denen man sich sicher sein kann, dass die nicht wissen müssen, wo ihr euch befindet, sollten auf alle Fälle aus sein. Die Ortungsdienste der Handyhersteller, beim iPhone zum Beispiel „Häufige Orte“ unter „Systemdienste“, gehören unbedingt ausgestellt, zudem gehören Fotos oder Nachrichten nie mit GPS-Daten gekoppelt!
7. Whatsapp auf keinen Fall für heikle Kommunikation benutzen! Hier gibt es Alternativen, zu empfehlen ist Threema mit verschlüsselter Kommunikation, verschlüsselten Backups und es ist passwortgeschützt. Aber auch über Threema ist es nicht empfehlenswert delikate Informationen, Fotos oder dergleichen auszutauschen. Das private Gespräch ist da doch die sicherste Alternative.
8. Wenn auf dem PC Dateien gelöscht werden, hilft gegen eine mögliche Wiederherstellung nur das Löschen mit entsprechenden Programmen, die den frei gewordenen Speicherplatz wieder überschreiben.
Natürlich stellen diese Empfehlungen kein Allheilmittel dar, aber wir wollen, dass ihr euch vor allem im Umgang mit euren Daten Gedanken macht, euch über das Thema weiter informiert! Es gibt jede Menge Informationen im Internet zu dieser Thematik und ein etwas besonnenerer Umgang schützt nicht nur euch, sondern im Zweifelsfall auch die Personen, mit denen ihr kommuniziert und umgekehrt.

Wir wissen nicht wie die Zukunft aussehen und wie eng der Gürtel noch geschnallt wird. Derzeit erleben wir eine ungeheure Verschiebung von Strafen und Fahndungen, die Hemmschwelle zur Strafverfolgung nimmt ab und selbst Bagatelledelikte werden oft mit einer unnachvollziehbaren Härte verfolgt. Sicherheitsbehörden scheinen eine schier unendliche Anzahl an Befugnissen ohne funktionierende Kontrolle erhalten zu haben und es liegt in ihrem Wesen diese soweit es geht auszureizen.

Freiheit darf nicht dem Sicherheitsbestreben konservativer Sicherheitspolitiker zum Opfer fallen!