Polizist nach Schlagstockeinsatz zur Bewährung verurteilt

Nachdem Regionalligaspiel FC Ingolstadt II – Eintracht Bamberg kam es am Hauptbahnhof Ingolstadt zu Tumulten zwischen Fans von Bamberg und der Polizei. Im Verlauf dieser soll ein Fan einen Polizisten von hinten in den Rücken getreten haben und danach mit einer abgebrochenen Flasche bedroht haben, worauf hin dieser den Schlagstock einsetzte. So stand es zumindest in dem Einsatzbericht des betroffenen Polizisten. Blöd für ihn nur, dass ein anderer Bamberg Fan die Szene filmte und auf diesem Video davon nichts zu sehen ist. Aufgrund dieser falschen Behauptung wurde der Polizist nun am vergangen Mittwoch, dem 28.10.2014 vom Amtsgericht in Ingolstadt zu 16 Monaten Bewährung verurteilt. Sollte dieses Urteil rechtskräftig werden, so kostet es ihn den Job. Der vorsitzende Richter erwähnte explizit das nicht der Schlagstockeinsatz an sich zu der harten Strafe geführt hat, sondern der falsche Bericht. Ohne das Video wäre der betroffene Fan wohl zu einer heftigen Strafe verurteilt worden.

Leider ist dieser Fall eine absolute Seltenheit in der Bundesrepublik Deutschland. Von 1600 Strafanzeigen gegen die Polizei im Jahr werden 95% eingestellt.

Der Grund hierfür ist schnell gefunden: Staatsanwaltschaft und Richter sind auf die Zusammenarbeit mit der Polizei angewiesen und so gelten Aussagen von Polizeibeamten quasi als Axiom, sie werden nicht hinterfragt sondern werden als Wahr angesehen. Zudem kommt noch der Korpsgeist innerhalb der Polizei. Ein Beamter der gegen die eigenen Kollegen ernsthaft ermittelt wird schnell zum Verräter und gerät somit ins Abseits. Der Aufstieg auf der Karriereleiter ist so gut wie verbaut. Ein weiteres, wenn nicht gar größeres, Problem ist, dass wenn man Anzeige gegen einen Polizisten stellt, man mit einer Gegenanzeige wegen “Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte” rechnen muß. Hat man als Zivilist nicht mehrere gute Zeugen oder wie im oberen Falle gutes Beweismaterial, gehen die Chancen auf Gerechtigkeit gegen Null.

Quelle: Donaukurier

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